Sonntag, 2. Juni 2013

BBH






Da denkt man an nichts Ideenreiches, und dann das: Seh ich doch ein Nummernschild, auf dem BBH prangt.

Erscheinen gleich eine Reihe großartiger Kampagnen und Spots von einer der weltweit kreativsten Agenturen vor dem inneren Auge. Gemeint ist natürlich Bartle Bogle Hegarty, kurz: BBH.

Gegründet 1982 von John Bartle, Nigel Bogle und John Hegarty in London, sitzt BBH mittlerweile auch in Los Angeles, Mumbai, New York, São Paulo, Shanghai und Singapur.

Bartle Bogle Hegarty kreierten respektive kreieren nachhaltige Kampagnen für Kunden wie Audi, Axe, Barclays, British Airways, Mentos, The Guardian, Vodafone, Johnnie Walker und natürlich Levi’s.

Knapp drei Jahrzehnte prägte BBH das Image von Levi’s, besonders der Levi’s 501. Das Erfolgsprinzip jedes Werbespots, der jeweils ein halbes Jahr lief? Eine schöne Geschichte wurde meist in 30 Sekunden erzählt. Von herausragenden Regisseuren inszeniert. Mit tollen Darstellern besetzt. Und mit einem starken Song gestützt, der stets die Charts stürmte.

Es hat einfach alles gepasst. Und wenn dann auch noch die Hose passt, keine weiteren Fragen. Gute Gründe, warum ich seit 1985 – als ich den Levi’s-501-Waschsalon-Spot mit Nick Kamen sah – Träger, Jäger und Sammler von Levi’s-Jeans sowie ne treue Markenseele bin.

Die letzte Kleiderschrankinventur ergab: zwölf blaue 501, fünf schwarze 501, eine beige 501, zwei schwarze 551 (Cord), zwei beige 551 (Cord), vier blaue 504 Straight, fünf blaue 506 Standard, zwei Chinos und eine Kochhose (aus Ausbildungstagen; siehe PIROL und TRIO).

Aus Werbersicht kann ich nur sagen: Werbung funktioniert und fasziniert. Und da man sich gute Werbespots immer mal wieder ansehen kann, finden sich natürlich einige der besten Levi’s-Spots (mit vielleicht anderen Bezeichnungen) auf dem iPod.

Apotheke Mann (1995), Apotheke Frau (1995), Autoklau, Autopanne (1989), Badewanne (1985), Beerdigung (1993), Billard (1991), Black (1988), Blinder Mann (1996), Boombastic (1995), Born Again, Broker (1991 – Everhart), Büffel (2003), Change Hetero (2007), Change Homo (2007), Cochran (1988), Cowboy (1993), Eiswagen (2005), Erdbeben (1998 – Sisto), Fahrstuhl, Fenster, Flat Eric (1999), Flucht in Ketten (1996), Gang, Gefängnis (1991 – Pitt), Hot Pants, Indian (1992), Kühlschrank (1989 – Patitz), Kung Fu (1997), Lagerfeuer, Love Hewitt (2002), Meerjungfrauen (1997), Nackte (2000), Ölturm, Raub, Rugby, Schluss, Schwimmer (1992), Shakespeare, Siedler (1994), Soldat (1987), Spaceman (1996), Spion vs. Spion, Strand (1990), Superstition, Tainted Love, Tauchen in Luft, Taxi (1995), They Go On 1–6 (1997), Twisted (2001), U-BahnVerfolgung Hund, Voodoo (1996), Walk the Line Frau (2006), Walk the Line Mann (2006), Wände (2002), Waschsalon (1985), Zeitschiene.

So viel Ideenreiches zu BBH.




Donnerstag, 30. Mai 2013

KOT






Da denkt man an nichts Duftes, und dann das: Seh ich doch ein Nummernschild, auf dem KOT prangt.

Läuft gleich ein kleines Filmchen vor meinen Augen ab. Ein Filmchen zu Zeiten, als von StayFriends und Facebook noch nicht die Rede war. Ein Filmchen von einem Ehemaligen-Treffen – 20 Jahre, nachdem ich die Walt-Disney-Grundschule in Berlin erfolgreich hinter mir gelassen hatte.

Mit einem Mal sah man 25 Erwachsene wieder, die man nur anhand der Kinderfotos dechiffrieren konnte. Die Hübschen wurden so lala, die Hässlichen ansehbar, die Schlanken untersetzt, die Dicklichen durchtrainiert – wie das halt so ist, nach 20 Jahren Zeitreise.

Da gab es Automechaniker, Bildhauer, Bürokaufleute, Chemiker, Feuerwehrmänner, Friseure, Musiker, Nageldesigner, Pfleger, Polizisten, Zahntechniker und und und. Und eine denkwürdige Szene mit Irmela. Irmela war eine Frau aus der Rubrik: hohe Absätze, kurze Hauptsätze.

Sie fragte Ingo:
„Und, was machst du so?“

Ingo antwortete stolz:
„Ich mach in Autos.“

Darauf konterte Irmela:
„Wie, du machst in Autos? Kackste da rin oder was?“

Das Gelächter war groß, Ingo war durch, der Abend war gelaufen.

So viel Duftes zu KOT.




Montag, 27. Mai 2013

LUI






Da denkt man an nichts Schellendes, und dann das: Seh ich doch ein Nummernschild, auf dem LUI prangt.

Bevor ich fest bei einer Werbeagentur (siehe PIC, FEE, MUT, BLB, VERD und SUM) angestellt wurde, absolvierte ich zunächst diverse Text-Praktika in Agenturen in und um HH. Ich kreierte unter anderem Funkspotideen für norddeutsche Konfitüren, Anzeigenideen für süddeutsche Autovermieter und Filmideen für einen Versicherer.

Eines Tages fühlte ich mich selbst wie ein Nebendarsteller in einem Werbespot, einem ausgezeichneten Mercedes-Benz-Spot ein paar Jahre später. Meine damalige Bekannte stand aufgeregt wie ein junges Rennpferd in der Wohnungstür und empfing mich mit einer schallenden Ohrfeige. Der Grund? Sie entdeckte eine nigelnagelneue deutsche Ausgabe des französischen Männermagazins LUI – ein edleres Pendant zum Playboy – in meinem Rucksack.

Dass es ein Belegexemplar war und eine von mir mitentwickelte Anzeige für eine mitteldeutsche Bekleidungsfirma enthielt, interessierte sie nicht die Bohne. Ich hatte noch einen ganzen Tag lang ein Pfeifen im Ohr und eine weiße Hand auf meiner roten Wange. Ganz wunderbar.

Nicht wunderbar, aber zu ihrer Zufriedenheit: Die deutsche Ausgabe des Magazins erschien hierzulande nur noch wenige Monate.

So viel Schellendes zu LUI.




Freitag, 24. Mai 2013

BEN






Da denkt man an nichts Gütiges, und dann das: Seh ich doch ein Nummernschild, auf dem BEN prangt.

Als 2004 „Schotts Sammelsurium“ von BEN Schott auf den Markt kam, entschieden sich die Geschäftsführer einer Werbeagentur, für die ich damals textete (siehe BET), das Werk als Aufhänger inklusive Anschreiben und Flyer für eine Aussendung an potenzielle Kunden zu schicken.

Klar, dass Agenturmitarbeiter Wind davon und diverse Exemplare in die Hände bekamen. Ein Senior Texter – ein ruhiger Vertreter seiner Zunft, der gelegentlich aufbrauste quasi ein Pantomime mit Tourette-Syndrom – kam über Seite 17 nicht hinaus und fand die „Werke der Barmherzigkeit“ perfekt auf seinen Job, seine Situation und die Agentur zugeschnitten.

Diese Werke sind Taten christlicher Nächstenliebe. Traditionell unterscheidet man zwischen den geistigen und den leiblichen Werken der Barmherzigkeit.

Normalerweise galt in der Agentur die Clean-Desk-Policy. Aufgeräumte Tische, weiße Wände – also keinen Krimskrams, keinen Firlefanz, keinen Schnickschnack. Von seinem Art-Partner ließ der Texter zwei DIN-A1-Plakate gestalten und hing sie an die Wand seines Büros. Eins mit den geistigen Werken:

Unwissende belehren

Zweifelnden raten

Trauernde trösten

Sünder zurechtweisen

Dem Beleidiger verzeihen

Unrecht ertragen

Für die Lebenden und Toten beten

Und selbstverständlich auch ein zweites Plakat mit den leiblichen Werken:

Hungrige speisen

Durstige tränken

Nackte bekleiden

Fremde beherbergen

Kranke besuchen

Tote begraben

Als der Mitinhaber der Agentur die Plakate sah, ließ er den Texter, der mittlerweile inoffiziell „Der Bruder der Barmherzigkeit“ genannt wurde, gewähren. Und falls ihm ein Berater doof kam, zückte er seinen Laserpointer und fixierte den jeweiligen Punkt.

So viel Gütiges zu BEN.




Dienstag, 21. Mai 2013

WAS






Da denkt man an nichts Fragendes, und dann das: Seh ich doch ein Nummernschild, auf dem WAS prangt.

Am Wochenende war mein kongenialer Art-Partner im Supermarkt einkaufen und hörte folgenden Dialog zwischen Mutter (etwa Mitte 30) und Sohn (ca. 10 Jahre alt) einer bestimmten Schicht.

Mutter (konsequent):
„Kevin, um wie viel Uhr musste morgen zum Fußball?“

Sohn (überrascht):
„Hä?“

Mutter (strenger):
„Das heißt nicht „Hä“, das heißt „WAS“!“

Wie bitte?!

So viel Fragendes zu WAS.




Samstag, 18. Mai 2013

PO






Da denkt man an nichts Hintersinniges, und dann das: Seh ich doch ein Nummernschild, auf dem PO prangt.

Wenn es um die Kehrseite der weiblichen Zunft geht, kommt man sich vor wie im Obst- und Gemüseladen. Denn schließlich sind diverse Früchte die Namensgeber – aufgrund ihrer formalen Ähnlichkeit – vom femininen Gesäß, Hintern, PO, Popo, Pöter.

Bei der Damenwelt dreht es sich um Apfel, Birne, Kartoffel, Nektarine und Tomate. Kein Wunder, dass man den Allerwertesten meist zum Anbeißen findet.

Der Apfel-Po ist, wie man vermuten kann, knackig gebaut. Er besitzt eine runde und pralle Form. Kleiner Wermutstropfen: Er kommt nur recht selten vor.

Der Birnen-Po ist zwar auch knackig und prall wie der Apfel-Po, wirkt jedoch nach oben hin schmaler und nach unten hin breiter. Etwa 15 Prozent der Frauen tragen eine Birne spazieren. Bekanntes Aushängeschild: Kate Winslet. Die ausgezeichnete wie kurvige Engländerin überzeugt mit einer schmalen Taille und weiblichen Hüften.

Der Kartoffel-Po ist insgesamt breiter und größer als Apfel- und Birnen-Po. Er sieht aus wie eine auf der Seite liegende Kartoffel. Schauspielerin Mischa Barton ist wie 30 Prozent der Grazien stolze Besitzerin eines Kartoffel-Pos.

Der Nektarinen-Po ist klein und straff. Laut einer Blitz-Umfrage wären gerne viele Damen so gut ausgestattet wie Supermodel Gisele Bündchen und Schauspielerin Jennifer Aniston, deren knackigen Rückseiten der Idealform Nektarine entsprechen.

Der Tomaten-Po ist ähnlich wie der Nektarinen-Po, allerdings nicht ganz so straff gebaut und insgesamt größer. Er ist die am häufigsten vertretene Po-Form. Quasi das Synonym für den sexy Tomaten-Po ist Jennifer Lopez.

Nicht erst seit dem Auftritt von Pippa Middleton bei der Hochzeit ihrer Schwester ist der Po ein sexuell aufgeladener Anziehungspunkt. Gilt aber wohl eher nicht für die Männerwelt. Seien wir doch mal ehrlich, bei den Herren der Schöpfung gibt’s eigentlich nur die Gattungen: Knackarsch, Hängearsch, Flacharsch.

Dafür können die Mannsbilder noch die Arschkarte ziehen und mit dem Maurerdekolleté aufwarten. Hingegen bekommen Göttinnen gerne mal ein Arschfax.

So viel Hintersinniges zu PO.




Mittwoch, 15. Mai 2013

MAR






Da denkt man an nichts Strampelndes, und dann das: Seh ich doch ein Nummernschild, auf dem MAR prangt.

Vor einigen Jahren nahm ich die Einladung eines Kumpels an, ein Freiluftkonzert mit ihm zu besuchen. Traf sich gut, denn in der Werbeagentur, in der ich zu der Zeit arbeitete, herrschte Flaute. Und auch privat musste das Sommerloch gestopft werden.

Portishead spielten an einem sommerlichen Donnerstagabend im HHer Stadtpark. Schon nach dem ersten Song zog mich Beth Gibbons in ihren Bann und ihre unnachahmliche Stimme und Performance gingen unter die Haut.

Mein Kumpel, ein Architekt, verschwand für einen Augenblick, um mit alkoholischen Getränken und einer Kollegin im Schlepptau wiederzukommen. Sie kam ursprünglich aus Dresden, war leidenschaftliche Radfahrerin und sah aus wie die Wiedergeburt von Dyan Cannon im Film „Der Anderson-Clan“ – nur mit ner Dauerwelle, die fast bis zum Steiß ging.

Rock’n’Roll und Alkohol sind ne nicht zu unterschätzende Kombination. Schuldigung. Trip-Hop, Alcopops und Sächsisch sind ne böse Mischung. Da sie und ihre Freundin ziemlich angeschossen waren, schoben wir die Fahrräder und brachten sie zu Fuß nach Hause.

Am Wochenende darauf bekam ich leibhaftig ihre MARotte zu sehen. Wir wollten mit den Rädern an die Elbe. Sie hatte ein Herren-Rennrad und fuhr vorweg. Ich in sicherer Entfernung hinterher. Und da passierte es. Sie nahm nicht ein einziges Mal auf dem Sattel Platz, sie trat gemächlich in die Pedalen, als wäre sie bei der Tour de Trance auf dem Weg zum Col du Tourmalet. Immer vornübergebeugt, immer den Hintern emporgestreckt. Es war zum Piepen. Und zum Peepen. Eigentlich hätte sie den Sattel abschrauben können.

Darauf angesprochen, sagte sie (aus dem Sächsischen übersetzt): „Macht n knackigen Hintern und dämmt die Cellulite ein.“ Konnte nicht bestätigt werden. Das war ein Sommerloch, Mannomann.

So viel Strampelndes zu MAR.